Rumänien



04.06.19


Nur noch 50 Km bis zur rumänischen Grenze. Da ich noch nie in dieser Gegend war hatte ich zu Beginn ein etwas flaues Gefühl was das Land betrifft, dies sollte aber an der Grenze zu Nichte gemacht werden. Sehr freundlichen Grenzbeamte und überall Leute die auf einen zukommen und wissen wollen wo man her kommt und wo man hin fährt. Cool, so lasse ich mich gerne überraschen.

Die nächste Überraschung war allerdings nicht so prickelnd - für alle die, die sich über die Masse an LKW`s auf deutschen Autobahnen beschwere - fahrt mal auf den Hauptstrassen Rumäniens. Was man allerdings sagen muss, ist das sich fast alle sehr höflich und respektvoll verhalten. Man fährt zur Seite wenn jemand überholen will, gibt Zeichen wenn was kommt oder die „Rennleitung“ mal wieder irgendwo steht und es kommt eigentlich kein Stress auf - bravo Rumänien.

Trotzt allem haben wir die Nase voller Diesel und wir fahren auf die kleine Nebenstrasse durch die Dörfer, ist ja eh viel schöner.

In den Dörfern wird man in der Zeit rück katapultiert, ich denke so hat es in Deutschland nach dem Krieg ausgesehen. Es ist eine gewisse Aufbruchstimmung da, die allerdings mit Mitteln von statten geht die man bei uns wohl schon nicht mehr kennt.

Manpower ist wohl das richtige Wort dafür. Sie helfen alle zusammen wenn eine Einfahrt gepflastert oder eine Mauer gebaut wird, ich bin beeindruckt.

Die Natur ist extrem schön, wild mit sanften Hügeln, die Ausläufer der Karpaten und einer Eisenbahn die nostalgisch ihres Gleichen sucht.

So langsam werde ich zum Rumänien Fan.

Da es nur zwei Autobahnen gibt, die wir allerdings nicht fahren, bewegen wir uns auf den Landstrassen, die aber ausgebaut sind wie ein Highway. Fast immer Zweispurig wenn es bergauf geht und gesäumt von immer wilder werdende Natur. Immer wieder sind Roadhouses am Strassenrand und das Essen dort ist sehr gut und vor allem reichhaltig, was so wohl die Menge angeht als auch den Brennwert.

An Cluj Napoca düsen wir nur vorbei, da die Jungs von Heavy Duty nicht da sind, denen wollten wir eigentlich einen Besuch abstatten und ich wollte mich noch einmal bedanken für die Hilfe die sie mir gaben um mein Motorrad auf zu rüsten.

Somit steuern wir Fagaras in Transilvanien an um mal bei Dracula vorbei zu schauen.

Nach 300 Km fahrt suchen wir Benzin und eine Unterkunft. In einem heruntergekommen Industrie Viertel sehen wir auf einmal ein Restaurant das von aussen so la la aussieht. Als ich allerdings zur Rezeption gehe haut es mich von den Socken. Ein Nobelschuppen, 4 Sterne Hotel und wie der Zufall es will, nur noch ein Zimmer frei.

 Easy kostet uns 30 Euro und wir sind eingecheckt ins Zimmer mit Balkon und direktem Blick auf die Bikes. Das Gepäck könne wir drauf lassen, denn sie haben 24 Stunden Security.


05.06.19


7.00 Uhr schellt der Wecker, Sachen packen und ab zum Frühstück das sehr reichhaltig ist. Von Obst bis hin zu French Toast ist alles dabei, somit wird es wieder mal 10 Uhr bis wir uns endlich auf die Moppets setzen und losfahren.

Ich wiederhole mich nur ungern, doch muss es nochmals sagen, Rumänien wird immer wilder. Picasso hätte seine Freude an den vielen Grüntönen und der gewaltigen Natur.

Wir cruisen über kleinst Wege die teils sehr schmal und mit Schlaglöchern übersät sind, das hält schön wach da man immer aufpassen muss das man nicht in einem verschwindet.

Links und rechts der Strasse sehen wir immer wieder Schäfer mit riesigen Herden und Kinder die uns immer die gleiche Geste zeigen - Brum Brum, die eine Hand ausgesteckt um zu signalisieren Vollgas zu geben. Na diesen Gefallen machen ich gene, zumindest am Anfang, mit der Zeit geht es mir auf den Geist.

Plötzlich ist die Strasse gesperrt und wir umgeleitet auf einen Feldweg der wohl anfangs so breit war das ein Fahrzeug durch passt. Da die Umleitung wohl schon seit einigen Stunden ist und auch LKW`s sich durch mogeln sind die Felder etwas in Mitleidenschaft gezogen worden, was erstaunlicherweise niemand stört.

Das ist für uns das erste Mal das wir einen Stau auf einem Feldweg erleben.

Man stelle sich das mal in der Schweiz vor, da müsst wahrscheinlich vorher eine Volksabstimmung gemacht werden und das Ganze in Bern genehmigt werden. Dauer und Kosten - unvorstellbar, Resultat: Nicht möglich.

Bran heisst uns willkommen. 

Am Eingang zu Fagaras, einer kleinen Stadt finden wir eine Pension in der wir uns einnisten um am darauf folgenden Tag die Gegend zu erkunden. Da wir ja schon ein Paar Tage wieder im Sattel sitzen brauchen wir unbedingt etwas Bewegung und laufen dann ins „Stadtzentrum“. Eine kleine Stadt die im Zentrum eine Kirche hat die etwas Fehl am Platz wirkt. Eigentlich sollte diese Kirche wahrscheinlich nach Russland oder so geliefert werden und fiel wohl in Rumänien vom LKW.

Eine Burg die 50 Meter daneben steht passt dafür ganz gut, leider waren wir zu spät, die hatte nämlich schon zu. Die meisten Häuser aussen rum, na ja, Plattenbau der gröberen Art.

Egal wo man geht, steht oder sitzt, LKW`s, LKW`s, LKW`s. Der Wahlspruch der Rumänen: NON STOP - so heisst einfach alles und ist auch Program.

Fagaras

Eine gut in Stand gehaltene Burg und man stauen, die Wanderwege in der Gegend sind von den Schweizern organisiert und markiert.

Für Biker, ein guter Ausganspunk für den Transfagarasan-Pass

Wow, you got to ride it.


Eingelegte Kunst

Der Eingang zum Restaurant und Hotel Melexim - kann ich nur empfehlen!

Gutes Essen, schöne Hotelzimmer und Handwerkskunst soweit das Auge reicht.


06.06.19


Der Plan für heute ist unseren alten Kumpel Dracula und seine Vampire zu besuchen und danach die Transfagarasan zu fahren. Der Wecker klingelt um 7.30 Uhr, nach einer gewissen Anlaufzeit mit Wasser und Café gehts erstmal zum Bäcker um noch fein zu Frühstücken.

Frisch gestärkt trudeln wir bei der Castelul Bran „Draculas Domizile“ ein und müssen mit entsetzen feststellen das wir nicht die einzigen sind die ihn so früh am Morgen besuchen wollen. Von Chinesen, Südafrikanern über Arabische Emirate bis hin zu Deutschen und Schweizern ist alles dabei. 

Na egal, wir stellen die Motorräder am Eingang zur Touristen - Mühle ab und schlängeln uns durch die ganzen Buden von Essen, Souvenirs, Geisterbahn und jeglichem Ramsch was alles irgendwie mit dem Herrn Graf zu tuen hat - anscheinend. Sollte er wirklich gestorben sein, wird er sich wohl im Grabe umdrehen.

Na mal ganz ehrlich, geschichtlich gesehen war Vlad III „Dråculea“ zwischen 1456-1462 Woiwode des Fürstentums Walachei. Der Beiname Dråculea (Der Sohn des Drachen) hat er wohl von seinem Vater mitbekommen der im Drachenorden des Kaisers Sigismund war.

In der rumänischen Sprache bedeutet allerdings Dracul - Der Sohn des Teufels, was auch besser zu seiner grausamen Art passt.

Durch den Widerstand gegen das osmanische Reich und dessen Expansion auf dem Balkan wurde er als Menschenschlächter bezeichnet. Ein weiterer Beiname ist Tepes, was so viel wie Pfähler heisst oder auch von den Osmanen selber als Kaziklu Bey oder Kazikli Voyvoda bezeichnet wurde.


Seine Hobbies waren:

Kinder braten und alle Arten von Hinrichtungen, vorzugsweise Pfählung, die ich hier aber nicht weiter ausführen werde da ihr das ja alles in Wikipedia nachlesen könnt.


Gut, zurück zum Touristen Teil - Das Schloss.

Wir stehen in der Schlange zum Eingang, 80 Ron bzw Leu (=17 Euro) für zwei Personen, später sind wir drin.

Die Burg ist der Wahnsinn, es hat so viele verschiedene Zimmer die alle auch auf verschiedenen Ebenen liegen und durch urige Treppen verbunden sind. Dicke Steinmauern und knorrige alte Bälken zieren das ganze Schloss. Es hat auf den verschiedenen Etagen immer wieder kleine Balkone die entweder zum Innenhof zeigen oder zur Weitsicht in die Umgebung einladen.

Wir verbringe fast 1 1/2 Stunden im Schloss und kommen zu dem Entschluss das es wahrscheinlich nicht Dracula war der damals dort lebte, sondern…..

…genau, Alice Cooper ist noch viel älter als er aussieht.


Wir bummeln noch ein wenig durch den Schlosspark bevor wir uns auf den Weg zum Pass machen.

Guter Dinge laufen wir zu den Motorrädern und sind überrascht das eine Gruppe Chinesen sich dort versammelt hat. Als wir ankommen bricht eine Fotoflut über uns her - Na so fühlt sich ein Rockstar. 

Nachdem wir ihnen versucht habe zu erklären das wir weder Dracula noch Alice Cooper sind dürfen wir nach dem 111 ten Foto endlich losfahren.

Die Sonne hat sich gerade hinter einem Wölkchen versteckt, das allerdings 40 Km später zu einem ausgewachsenen Unwetter heranwächst. OK, so schnell geben wir nicht auf, wir gehen erst mal was essen und sehen mal zu wie sich das Wetter verhält. Durch unser Zusehen was das Wetter macht, ist der Himmel wohl beleidigt und fängt an zu weinen. Nein, nicht die kleinen süssen Tränchen, sondern golfballgrosse Wasserbomben.

Also gut, Pass gestrichen, denn bei dem Sauwetter sehen wir sowieso nix wenn wir oben sind. Also Regen Kombi an und die Lange Route zurück zur Unterkunft.

Die Fahrt geht über bezaubernde, romantische kleine Nebenstrassen durch Dörfer in denen fast immer ein Hund auf uns wartet und versucht mit den Motorrädern ein Wettrenen zu machen.

Wir halten mal an und fragen nach dem Grund und wie so ein Hund halt ist, verliert er die Lust zum hinterher jagen und konzentriert sich lieber auf den nächsten Fahrradfahrer, der sichtlich mehr Mühe mit dem Wollknäuel hat.

Wir wollten ja Off Road fahren, haben allerdings nicht gewusst das in Rumänien die Strassen auch schon so etwas wie Off Road sind, nur mit etwas Teer dazwischen.

Nach 2 Stunden geschüttet, ab 80 Km/h wird’s besser denn man fliegt über die meisten Löcher hinweg, sind wir wieder zurück in Fagaras in der Pension Onix.

Die Regenwolken haben sich nun auch verzogen und wir können noch einen kleinen Motorrad Check machen und die Griffheizung von Felix reparieren, die ist nämlich ausgestiegen. Kein Wunder bei dem geschüttet.

Bei einem Bierchen im Garten lassen wir so langsam den Tag ausklingen, Felix kämpf immer noch mit dem Navi, mal sehn ob wir das noch zum Laufen bekommen.


Dracula`s Castel

Mit einem wunderschönen Blicke in die Landschaft


Der Innenhof

ladet doch zum verweilen ein und man braucht doch eine Weile bis man durchgelaufen ist


07.06.19

Um 9 Uhr brummeln die Motoren, wir haben einen frühen Start mit wunderschönem Wetter und es geht Richtung Focsani. Für eine Weile geht es schön bergauf und wir haben die Idee ein kleines Video zu machen. Also ab auf einen Feldweg und noch ein bisschen weiter in die Wildnis.

„Das Video könnt ihr Anschein sobald ich wieder mal eine gute Internet Verbindung habe.“

Video gemacht, Gitarre wieder verstaut und weitergefahren, plötzliche kommt ein Schild: Vorsicht: Hirsche - Wölfe - Bären.

Ja, das habe ich schon ein paar mal auf meiner Wanderung von Bellinzona nach Portofino gesehen und denke mir nichts dabei. Felix hat einen guten Zug drauf und rauscht durch die Wälder als ob ihn der Teufel höchst persönlich jagt.

Ich Bummel etwas gemütlich weiter hinten vor mich hin als ich nach einer Kurve ein Auto mitten auf der Strasse stehen sehen. Also runter vom Gas, Blinker gesetzt und als ich ihn überholen will sehe ich warum der dort stehen bleibt.

Ein junger Schwarzbär, wohl im Teenageralter wuselt sich gerade durchs Gebüsch.

Ich bleibe kurz stehen und überlege ob ich ein Foto machen soll, nur dummerweise ist meine Kamera noch im Rucksack und das Handy in der Hosentasche.

Und ganz ehrlich gesagt, mache ich mir fast in die Hosen, da Peter Pelz ca. 5 Meter von mir weg ist. Wie gebannt schaue ich ihm zu und versuche raus zu finden wo der zottelige hin will. Ok er kommt in meine Richtung und ich denke nur - vergiss das Foto, erster Gang und aufs Gas, wer weiss, vielleicht ist Mamabär nicht weit.

Als ich Felix endlich eingeholt habe, zumindest so weit das wir wieder Kontakt übers Intercom haben ist schon zuviel Strecke zwischen uns und dem Bär.

Wir haben Hunger bekommen und machen eine Pause in einem kleine Dorf, das aus 3 Restaurants, 5 Häusern und einer Pizzeria besteht.

Nach dem Essen schwingen wir uns wieder auf unsere Stahlrösser und fahren weiter.

Focsani kommt so langsam näher, doch die Müdigkeit auch. Ich funke Felix an und sag im er soll doch bei der nächsten Gelegenheit mal anhalten.

Macht er auch, nur fährt er in einen Feldweg rein der nach ein paar Metern zu einem Schlamm Massaker wird. Durch die ersten zwei Schlammlöcher sind wir gerade noch durch gekommen, beim 3ten sinke ich so tief ein das ich mehr gas gebe um nicht stecken zu bleiben.

Die Maschine schiebt voran nur fährt sie nicht in die Richtigen in die ich schaue.

Dann geht es ganz schnell, das nächste was ich sehe ist hohes Gras und schwups liege ich 3 Meter tiefer im Graben. Scheisse.

Als erstes mache ich den Motor aus und krabble aus dem Graben hoch und sehe Felix zurück rennen. Dann beginnt die Quälerei, denn nicht nur die Temperatur macht uns zu schaffen sondern die Invasion der Moskitos die ihre wahre Freude an zwei durchgeschwitzten Touris habe.

Resultat: Erstmal was trinken und abchecken ob noch alles an mir dann ist. Das Knie tut weh aber das ist noch von meinem Unfall den ich 3 Wochen vor der Reise hatte. Also nix neues und nix passiert. Dann das Moppet abpacken, wir stehen im Saft denn es hat ca. 34 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 98 %

Erster Versuch - Hochfahren nicht möglich, keine Chance um Anlauf zu nehmen. Beim kleinsten anfahren gräbt sich das Hinterrad im Schlamm ein und das hüfthohe Gras wickelt sich um die Achse. Der Hang hat ungefähr 30 Grad und somit ist mit schieben von beiden Seiten mit Hilfe des Motors auch nichts.

Nächste Idee, abschleppen mit dem anderen Motorrad, guter Plan nur sind die Spanngurte nicht mehr die Besten und zwei mal fliegen mir die blöden Dinger um die Ohren bis sie schliesslich zu kurz sind.

Wir tausche mal, Felix schiebt meine Motorrad und ich soll seines Fahren, nur dummerweise ist sein Bock so hoch das mir 10 cm fehlen um nur in die Nähe des Bodens zu kommen. Das heisst nebenher laufen, schön Balance halten und gefühlvoll mit Gas und Kupplung spielen. Nach zwei wackeligen Versuchen haben wir es geschafft.

Stolz wie Schwein Harry stehen wir da und feiern unser erstes wirkliches gelöstes Problem. Die Freudenfeier wir jedoch von einem Jugendlichen unterberochen der in Sneekers, kurzer Hose, T-Shirt, Sonnenbrille und natürlich ohne Helm auf einem ubgefuckten Roller scheinbar völlig easy durch die Schlammlöcher cruised.

Er fragt ob wir Hilfe brauchen, da er aber kein kaltes Bier dabei hatte und wir die Yamaha bereits bergen konnten war er überflüssig. Vor allem da er so schwerelos über den Feldweg fuhr und wir da standen mit unseren super Dirtbikes in voller Montur und schweiss gebadet. Danke für die Lehre, auch Demut ist eine Tugend.

Auf dem Weg zurück zur Strasse hat dann Felix sein Lisschen auch noch abgelegt als er umdrehen wollte und somit waren wir beide von oben bis unten voller Dreck. So sind wir dann in ein Hotel eingecheckt weil wir eine Dusche als sehr reizvoll fanden.

Bestandsaufnahme:

2 gerissene Spanngurte

1 kaputter Spiegel

Kette, Ritzel und Achse vom Gras befreien

Kühlwasser auffüllen, ist wohl ausgelaufen

Öl auffüllen hat auch etwas verloren 

Such die Yami

Abflug in den 3 Meter tiefen Graben, zum Glück alles heil geblieben, nur der Schweis läuft in Strömen....


Nach der Bergung im Hotel

Ein Wunder das die uns überhaupt reingelassen haben. Wir waren von oben bis unten voller Dreck